Archiv für Mai, 2013

Hexen treiben Schabernack

Veröffentlicht: 21. Mai 2013 in Uncategorized

Fichtelberg/Mehlmeisel.               

Pfingsten ist seit je her die Zeit der Hexen in Fichtelberg und Mehlmeisel. Wenn sie sich von der Walburgisnacht erholt haben, treiben sie dort ihren Schabernack.

Sumpfgasmessung

Während der Feiertage rückten sie in den letzten Nächten das aktuelle Ortsgeschehen in den Vordergrund. Einer möglichen Gebietsreform griffen sie in der Nacht zum Sonntag voraus. Fichtelberg wurde nach Mehlmeisel eingemeindet. Auch wurde in der Nähe des Rathauses eine „Rakete“ gefunden. Wollen die Mehlmeisler die Fichtelberger auf den Mond schießen?

Leider, so ein Fichtelberger Patriot, erweckte die Aktion weniger Aufmerksamkeit. Die drei neuen Ortschilder von Fichtelberg waren nach kurzer Zeit sichergestellt. „Mehlmeisel Nord Ortsteil Fichtelberg“, so die neue Bezeichnung des Luftkurorts. Den Schildermalern wurde ein ausdrückliches Kompliment für die hervorragende Gestaltung ausgesprochen. „Sie passten haargenau auf die bestehenden Ortsschilder und wären den Einheimischen bestimmt nicht aufgefallen. Hut ab“, so ein Fichtelberger Patriot.

Die Fichtelberger ihrerseits hatten längst für die Nacht zum Montag eine eigene Aktion vorbereitet. Sie „rächten“ sich für das von den Mehlmeislern hochgespielte Radongasproblem in der Schule. Autofahrer, die nach Mehlmeisel fuhren, wurden deshalb durch zwei Transparente „Sumpfgas-Messung in Mehlmeisel. Autofahrer! Fenster zu und Lüftung aus“ aufgeschreckt. An der Abzweigung nach Hüttstadl und kurz nach Brand wurde an der Staatsstraße 2181 gewarnt. Beim Rathaus sagten die Fichtelberger auch weshalb: „Sumpfgas ist schwerer als Luft und im Talkessel von Mehlmeisel besonders gefährlich“. Nicht genug damit. Zwei weitere Transparente machten auf die Sumpfgas-Messung im Ort und die „Holzschuhpflicht ab Ortsgrenze“ aufmerksam.

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Besorgte Fichtelberger Eltern haben ihre Kinder am Freitagmorgen (03.05.13) in die Grundschule des Nachbarortes Mehlmeisel gebracht. Sie haben Angst, weil im eigenen Schulgebäude erhöhte Radon-Werte festgestellt wurden.

Die erhöhten Radon-Werte im Schulgebäude hat eine Überprüfung des Gesundheitsamtes Bayreuth ergeben. Mit ihrem Boykott unterstreichen die rund zwanzig Eltern ihre Forderungen: Sie möchten entweder einen alternativen Schulstandort oder die Sanierung ihrer Fichtelberger Schule. Zudem fordern sie, dass die Kinder im Sanierungszeitraum im benachbarten Mehlmeisel unterrichtet werden.

Zu hohe Radon-Werte?

Der gemessene Radon-Wert in der Fichtelberger Schule liegt mehr als das Vierfache über dem Wert, der als Richtwert bei Altbauten gilt. Die Werte lagen bei bis zu 1.700 Becquerel je Kubikmeter Raumluft. Eigentlich sollte der Wert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht über 300 Becquerel liegen. In Deutschland gibt es derzeit noch keinen verbindlichen Grenzwert für die Radon-Belastung in Gebäuden.

Ungünstige Bedingungen bei Messung

Beantragt hatte die Messung im Schulhaus die Gemeinde Fichtelberg. Doch laut Gesundheitsamt wurde die Untersuchung unter schlechten Bedingungen durchgeführt: im Winter, bei geschlossenen Fenstern und hochgedrehter Heizung. Das Gesundheitsamt Bayreuth rät nun erst einmal zu pragmatischen Maßnahmen. So könne man Radon-Werte durch ständiges Lüften abmildern. Zudem soll der Kellerboden abgedichtet werden, damit Radon nicht aus dem Boden ins Gebäude eindringen kann.

Angst vor Schulschließung

Im Fichtelgebirge ist die Radon-Konzentration wegen des Granitgesteins höher als in anderen Gegenden. Das radioaktive Edelgas Radon wird gebildet, wenn im Gestein und im Erdreich die in Spuren enthaltenen Uran und Thorium zerfallen. Unter normalen Umständen ist Radon farblos, geschmacklos und geruchlos. In der medizinischen „Radonbalneologie“ soll Radon das menschliche Immunsystem anregen und dadurch Krankheiten lindern. Dabei wird es inhaliert oder ins Badewasser eingeführt. Radon ist nach dem Rauchen aber auch die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.